Carrie

Das Musicalprojekt des Abschlussjahrgangs der Stage School Hamburg

im First Stage Theater

 

(c) Dennis Mundkowski

 

Die Stage School in Hamburg ist Deutschlands größtes Ausbildungsinstitut für Performing Arts mit bereits mehr als 2000 Absolventen in den rund 30 Jahren ihres Bestehens. Auf der Bühne des schuleigenen Theaters First Stage können die angehenden Darsteller bereits während ihrer Schulzeit einen enormen Umfang an Erfahrung vor öffentlichem Publikum sammeln. Dort werden über das Jahr unterschiedliche Formate dargeboten, angefangen von „Monday Nights“ und „Jubiläums-“ oder „Weihnachtsgalas“, über komplett selbst organisierte Musicals des jeweils zweiten Jahrgangs, bis hin zur jährlich von der Abschlussklasse veranstalteten Aufführung eines Musicals, welches über die warme Jahreszeit mehrere Wochen auf dem Programm steht.

(c) Dennis Mundkowski

In diesem Sommer haben sich die Schüler dieses dritten Jahrgangs eines Stoffes angenommen, der allein schon denjenigen Schauer über den Rücken jagt, die die Romanvorlage bzw. den Film von Stephen King kennen. Es fließt Blut, der Inhalt lädt weniger zum Lachen ein, sondern veranlasst das Publikum zum Nachdenken. Auch bleibt der eigentlich verdiente Szenenapplaus ob der schweren Thematik aus und hinterlässt stattdessen Betroffen- und Ergriffenheit.

Carrie White (Lorena Dehmelt) ist ein junges, schüchtern und scheu wirkendes, recht ungeschickt daherkommendes Mädchen, welches ziemlich zurückgezogen und einsam zusammen mit ihrer religiös fanatischen Mutter Margaret (Maya Hakvoort) lebt und von dieser regelrecht unterdrückt wird. Auch in der Schule hat sie einen schweren Stand, wird schnell zum Opfer ihrer Mitschüler und hat dem wenig entgegenzusetzen. Eines Tages stellt sie unter der Dusche nach dem Sportunterricht vollkommen entsetzt, weil unwissend, fest, dass ihre monatlichen Regelblutungen eingesetzt haben und wird dadurch erneut zum Ziel von Spott und Hohn, der vor allem von der Clique rund um Chris Hargensen (Alexandra Nikolina) ausgeht. Hilflos flüchtet sie sich in Rachefantasien und erhält ein wenig Zuspruch lediglich von ihrer Lehrerin Miss Gardner (Isabelle Schubert) sowie ihrer Mitschülerin Susan Snell (Larissa Pyne) und deren Freund Tommy Ross (Tim Taucher), denen sie jedoch auf Grund vieler Enttäuschungen weiterhin mit Vorsicht begegnet. Als sie zuhause ihrer Mutter schutz- und erklärungssuchend von dem Vorfall berichtet, reagiert diese sehr aufgeregt und hektisch – Satan lauert in ihrer Vorstellung schließlich überall – und sperrt Carrie wieder in eine Kammer, in welcher sie bereits viele Stunden ihres jungen Lebens verbringen musste.

(c) Dennis Mundkowski

Mit der Zeit stellt Carrie fest, dass sie die Fähigkeit besitzt, Gegenstände zu bewegen oder zum Bersten zu bringen und realisiert, dass diese ihr wohl angeborenen, telekinetischen Kräfte nicht nur leblose Dinge unschädlich machen können.

Es naht das Schulende und Susan kann ihren Freund davon überzeugen, Carrie etwas Gutes zu tun und sie an ihrer Stelle als Begleitung zum Abschlussball zu bitten. Für Chris und ihre Clique allerdings bedeuten die vorangegangenen Schikanen Carrie gegenüber das Aus vom Ball. Natürlich können diese das nicht einfach so tolerieren und sie planen einen bösen vermeintlichen Scherz um den Wettbewerb „Das schönste Paar des Balls“, welchen Carrie und Tom selbstredend gewinnen. Bei der Aufnahme des Gewinnerfotos ergießt sich ein Eimer “Blut” über Carrie und lässt deren Wut auf die Übeltäter aufs Äußerste ansteigen. Carrie kann ihre Aggressionen nicht länger kontrollieren und bringt der Reihe nach alle Anwesenden, mit Ausnahme der ihr Wohlgesonnen, allein durch Einsatz ihrer telekinetischen Geisteskraft um. Erschrocken über sich selbst, aber mit einer enormen Energie und Zufriedenheit gesegnet, läuft Carrie blutüberströmt heim zur Mutter und lässt sich erleichtert in deren schützende Arme sinken. Margarets Angst und ihre verhaltenen Vorwürfe allerdings lassen Carries Wut erneut aufflammen und weitere Opfer fordern.

(c) Dennis Mundkowski

Das Stück beginnt und endet sehr emotional und dunkel mit der polizeilichen Anhörung der überlebenden Susan. Larissa Pyne gelingt es, absolut glaubwürdig zwischen dieser schrecklichen und beklemmenden Situation im gleißenden Lichtkegel eines Befragungszimmers sowie dem Rückblick über die Erzählung der Geschichte in die fröhliche Ungezwungenheit der Jugend zu switchen. Alexandra Nikolina verkörpert Chris mit der nötigen Arroganz und zeichnet das Bild der Göre ohne Skrupel überzeugend. Lorena Dehmelt schafft es, die Gefühlswelt ihrer Carrie unmittelbar in das Publikum zu transportieren und zieht es damit so gekonnt in die Geschichte, dass man sie gerne anstelle der fanatischen Mutter in die Arme schließen möchte, um ihr zu sagen, dass alles gut wird. Die Interaktion zwischen ihr und der Mutter, der Maya Hakvoort eine enorme Emotionalität und vor allem Authentizität verleiht, funktioniert in jeder Sekunde.

Produzent und Intendant Thomas Gehle gelingt erneut eine Inszenierung, die sich sehen lassen kann. Was hier gezeigt wird, hat mit der eigentlichen Vorstellung einer Schulaufführung nicht mehr viel zu tun, sondern zeigt eine enorme Größe, die sich nicht hinter anderen zu verstecken braucht. Das Bühnenbild (Felix Löwy/Felix Wienbürger), die auf den Punkt eingesetzten pyrotechnischen Effekte sowie die Choreographie (Philip Kempster) zeigen beim Zuschauer die gewünschte Wirkung und stützen die Story zu jeder Zeit.

(c) Dennis Mundkowski

Mit diesem thematisch doch schweren Stück ist der Stage School ein weiterer großer Schritt auf der schuleigenen Bühne geglückt, der mehr als anschaulich zeigt, mit welcher Ausbildungsqualität an dieser Schule zu rechnen ist. Vielleicht sind die Stimmen der Darsteller noch ausbaufähig, sie stehen gerade erst am Beginn ihrer Darstellerlaufbahn, aber bereits jetzt ist festzustellen, mit welch großem Potential hier agiert wird und ganz sicher werden wir einige der heute hier im Abschlussjahrgang stehenden Schüler auf den großen Musicalbühnen wiederfinden.

Auf Grund des anhaltenden Zuspruchs wurde eine Verlängerung der Spielzeit bereits bekannt gegeben. Wer nun Lust bekommen hat, sich dieses Stück anzusehen, kann es noch einmal in der Zeit vom 22. bis 31. August im First Stage erleben. Karten gibt es auf der Homepage des Theaters oder an der Abendkasse zu erwerben.

 

Weiterführende Links:

Carrie – Das Musical
Stage School Hamburg
First Stage Hamburg
Maya Hakvoort

#amonea #amoneamusicalworld #carrie #carriedasmusical #stephenking #mayahakvoort #stageschoolhamburg #firststage #firststagetheater #firststagehamburg #hamburg #musical

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.