Linie 1

Freilichtbühne Hohensyburg

Rezensierte Vorstellung: 23. August 2019

Die U-Bahn Linie 1 – der Berliner „Orientexpress“ –  verläuft in Ost-Westlicher-Richtung südlich der Trasse der historischen Schlesischen Bahn am S-Bahnhof Warschauer Straße beginnend, durchquert Kreuzberg und erreicht über den Wittenbergplatz den Kurfürstendamm. Der östliche Abschnitt, eine aufgeständerte Hochbahn, ist eine der ältesten U-Bahn-Strecken Berlins, wurde bereits vor 1914 eröffnet und erhielt in der Vergangenheit mehrere Male neue Endpunkte.

Als das Musical „Linie 1“ geschrieben wurde, ging ihre Streckenführung noch von Ruhleben zum Schlesischen Tor und genau auf dieser Strecke begegnen wir einer jungen Ausreißerin, die der Provinz entfliehen möchte und sich auf der Suche nach ihrem Märchenprinzen, einem Berliner Rockmusiker, in die Großstadt begibt. Sie landet morgens um „6:14 Uhr“ an der Haltestelle Bahnhof Zoo, bleibt dann auf der U-Bahn-Linie 1 zwischen Zoo und Kreuzberg hängen und lernt im Laufe der Zeit eine Mischung großstädtischer Typen und Schicksale kennen. Mit der Naivität einer Landpflanze stolpert sie in die unterschiedlichsten Situationen und provoziert die verschiedensten Reaktionen und Handlungen, die ohne sie so nie geschehen wären.

Das aus einer Wette von Autor Volker Ludwig (Regie: Wolfgang Kolneder – Komponist: Birger Heymann) mit seinen Musikern heraus entstandene Stück „Linie 1“ wurde am 30. April 1986 im Berliner Grips Theater uraufgeführt und wird seither immer wieder an lokalen Theatern, gerne auch von Laienspielgruppen oder semiprofessionellen Vereinen, überall in Deutschland gespielt. Durch die vielen einzelnen dort aufeinandertreffenden Geschichten kann es aktuell in jede Zeit und ebenso in jede Gegend der Welt adaptiert werden.

Die von den Amateurdarstellern auf der kleinen Naturbühne in Hohensyburg gezeigte Inszenierung von Regisseurin Kirstin Cramer orientiert sich im wesentlichen an der Urfassung und legt das Hauptaugenmerk passend und auf den Punkt gebracht auf die Charaktere und die unterschiedlichsten Problematiken des Lebens im Berlin der 80er Jahre. Das Publikum erlebt die jungen Darsteller mit großem Enthusiasmus und Spaß an den zu spielenden über 60 Rollen. Man sieht eine engagierte Truppe mit großem schauspielerischen und gesanglichen Talent. In der von uns besuchten Vorstellung war noch eine weitere Schwierigkeit zu bewältigen. Einer der männlichen Hauptdarsteller verletzte sich bei der Premiere so stark, dass ihm eine Teilnahme an den weiteren Aufführungen nicht mehr möglich war und die von ihm dargebotenen Rollen nun auf seine Mitstreiter verteilt werden mussten. Die Bitte um wohlwollendes Zuschauen, falls ein Fauxpas passieren sollte, allerdings war überflüssig – die Bühnenaktiven zeigten eine große Professionalität und ohne dieses Wissen wäre die spontane Umstellung wohl kaum aufgefallen.

Auch auf der Naturbühne in Hohensyburg zeigt sich wieder einmal, dass Laien- oder semiprofessionelle Darbietungen in keinster Weise mit abgespeckt oder gar schlecht gleichzusetzen sind. Der Mut der jungen Darsteller wird belohnt. Das Publikum zeigt sich begeistert von den schauspielerischen Fähigkeiten, der Wandlungsfähigkeit in so vielen Rollen überzeugend zu sein, vom geschickt gesetzten Bühnenbild und nicht zuletzt vom Tanz und Live-Gesang.

„Linie 1“ in dem kleinen, aber liebevoll gestalteten und mitten in den Wald eingebetteten Freilichttheater läuft noch bis zum 21. September 2019 an sechs Terminen rund um die drei Wochenenden. Karten gibt es auf der Seite des Vereins www.naturbuehne.de zu erwerben.

Weiterführende Links:

Facebook: Naturbuehne Hohensyburg
Homepage: Naturbuehne Hohensyburg

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