Mit RICHARD-SALVADOR WOLFF im Gespräch

„Wichtig ist zu wissen wer man eigentlich ist, wo man steht und wohin man möchte – nur dann kann man eigene Entscheidungen treffen!“

 

(c) Stage Entertainment – Morris Mac Matzen

 

Für Viele ist er „Aladdin“, der Prinz-Charming aus dem gleichnamigen Musical, basierend auf dem bekannten und beliebten Disney-Film. Mit seinem asiatisch anmutenden Teint und den tiefschwarzen, heute langen Haaren verkörpert er schon rein äußerlich jede Vorstellung dieses Charakters. Richard-Salvador Wolff, seit der Deutschlandpremiere am 6. Dezember 2015 bis 2018 in der Titelrolle des Stücks auf der Bühne des Stage Theater Neue Flora in Hamburg zu sehen, drückte dieser Figur nachhaltig seinen Stempel auf. Ich durfte den 29jährigen fröhlichen und sympathischen jungen Mann mit dem Stimmfach Bariton, in seiner Wohnung im Zentrum Hamburgs treffen und ein wenig mit ihm über seine Anfänge als Darsteller, sein heutiges Leben sowie seine Ziele und Wünsche für die Zukunft plaudern.

Das er, obwohl in Berlin geboren, auch noch in einem anderen Land Wurzeln hat, lässt angesichts seines Aussehens keine Zweifel. „Ja, ich bin halber Philippino. Mein Vater hat dort irgendwann Urlaub gemacht, meine Mutter kennengelernt und sie mit nach Deutschland gebracht, wo sie dann geheiratet haben. Unser Leben findet aber tatsächlich nur hier in Deutschland satt, hier sind meine Wurzeln.“ Seine Mutter würde ab und an noch einmal den Weg zurück in ihr Heimatland suchen und auch er sei als Kind schon einmal dort gewesen, allerdings habe er keine Erinnerungen mehr daran. „Ich muss gestehen, ich bin tatsächlich ein großer Asien-Fan und möchte in naher Zukunft auch unbedingt einmal hin – gerne auch mit meiner Mutter, um mir von ihr zeigen zu lassen, wie sie aufgewachsen ist. Dort herrschen noch ganz andere Verhältnisse als hier, wir im Gegensatz leben eher im Luxus. Ich freue mich sehr darauf, vor allem auch meine dort noch lebenden Verwandten einmal kennenzulernen.“ Ich erfahre von einem größeren Bruder, als Richard mir lachend von der Einfallslosigkeit seines Vaters, die Namensgebung seiner Kinder betreffend, berichtet. „Mein Vater heißt Gunter Richard Wolff, er ist der deutsche Teil meiner Familie. Mein Bruder bekam den ersten, ich den zweiten Vornamen, und hätten wir einen dritten Bruder, hätte dieser wahrscheinlich Wolf geheißen.“

Meine Frage, wie wichtig ihm seine Familie im engeren und weiteren Sinne sei, lässt ihn nicht lange nachdenken. „Familie ist sehr, sehr wichtig für mich – mein Freund und Lebenspartner und ebenso meine Eltern gehören ganz eng dazu, auch wenn diese weiterhin in Berlin zuhause sind“, ist seine prompte und sichere Antwort. Natürlich habe es auch für ihn Phasen gegeben, wo er gedacht habe, dass ihn seine Eltern doch einfach mal in Ruhe lassen sollten, aber dies sei sicher nirgends anders. „Erst nachdem ich angefangen hatte zu studieren, endlich mal von zuhause weg war und auf eigenen Füßen stand, habe ich wirklich verstanden, was Familie bedeutet. Ich war in einer fremden Stadt und kannte niemanden. Ich habe meine Eltern vermisst, hatte Heimweh und mir fehlte ihr Support. Aber ich weiß, dass sie immer für mich da sind und das ist einfach das Beste, was ich mir nur wünschen kann.“

(c) Nico Stank Photography

„Nur drei?“ kokettiert er lachend, als ich ihn bitte mir drei Adjektive zu nennen, von denen er denke, dass sie ihn zutreffend beschreiben. Der Spaß an der Frage ist ihm deutlich anzusehen, als er mit „ein bisschen verrückt“ schon herzhaft lachend seine Antwort beginnt. Nach kurzem Überlegen verzieht sich sein Mund zu einem schelmischen Grinsen und seine Augen funkeln vergnügt, während er anmerkt „sadistisch veranlagt“. Mittlerweile laufen ihm Lachtränen über die Wangen, als er sofort den Rückzieher hinterherschiebt, und mir ein Auge zwinkert. „Nee, dass kannst du nicht nehmen, aber jeder einzelne meiner Schüler weiß, was ich damit meine.“ Nur mühsam kämpfen wir uns in die Ernsthaftigkeit zurück, bevor er seine nun endgültige Eigenbeschreibung preisgibt. „Ich würde mich als glücklich und sehr ehrlich bezeichnen…“, kurz geraten seine Gedanken ins Stolpern, „…und, auch wenn das nicht wirklich ein Adjektiv ist, genießend. Ich weiß gerade nicht wie ich das als Adjektiv ausdrücken kann, aber ich genieße das Leben.“

Was ihm in diesem genießerischen Leben wichtig sei, möchte ich als nächstes von ihm wissen. „Uhhh, das hört sich jetzt ziemlich Disney-like kitschig an, aber es ist tatsächlich Liebe. Liebe ist ein weiter Begriff, den man dehnen kann. Ich meine es im Sinne von tiefer Verbundenheit zu anderen Menschen. Für mich geht es um Beziehungen, um echte Beziehungen, die sind mir wahnsinnig wichtig. Ich möchte keine oberflächliche Freundschaft – die bringt mir einfach zu wenig. Ich habe einen ganz engen Freundeskreis, den ich an einer Hand abzählen kann. Ich brauche auch nicht mehr und bin damit unglaublich glücklich. Ich suche nach Menschen, mit denen ich mich tiefgründig verbinden kann.“

Bevor wir den privaten Teil erst einmal ein wenig hinter uns lassen, bitte ich ihn mir ein Zitat oder einen Spruch mit einer besonderen Bedeutung für ihn zu nennen. Hat Richard-Salvador Wolff etwas, woraus er auch in schwierigen Situationen die Kraft zum Weitermachen schöpft? Lachend schießt ihm wohl als erstes der Gedanke an seine Gesangslehrerin in den Kopf, die ihn vor jeder Prüfung furchtbar – im wahrsten Sinne des Wortes – zu motivieren verstand. „Enttäusche mich nicht! Das sagte meine Gesangslehrerin immer – aber das passt leider nicht zum zweiten Teil deiner Frage.“ Nach kurzem Überlegen nennt er mir sein Lebensmotto: „Alles im Leben hat seine Zeit und einen Grund, warum es passiert – sei offen dafür!“

Richard-Salvador Wolff ist studierter Musicaldarsteller, der seine Ausbildung an der Folkwang – Universität der Künste in Essen, an der in jedem Jahr von etwa 200 Bewerbern lediglich drei weibliche und drei männliche Studenten aufgenommen werde, abgeschlossen hat. Wie kam er auf diesen Berufswunsch und gab es ein Schlüsselerlebnis, welches ihn unweigerlich auf diesen Weg zog? „Einen Schlüsselmoment gab es glaube ich gar nicht. Mein erstes Musical habe ich sogar erst spät, da war ich etwa 16 Jahre alt, gesehen. Aber auch da war mir noch nicht klar, dass ich das später machen wollte.“ Seine eigentliche Vorstellung von dem, was er einmal werden würde, sei eher in Richtung Architekt oder Mathematiker gegangen – Naturwissenschaften seien sein absolutes Steckenpferd gewesen. Ebenso gerne habe er aber auch gesungen und sich bewegt, was ihn zu der Idee getrieben habe, eine Studienvorbereitung zu absolvieren. „Ich wollte schauen, was es mir bringt und habe dabei festgestellt, dass es mir unglaublichen Spaß machte. Das war damals noch in Berlin und der Gedanke diesen Berufsweg einzuschlagen war geboren.“ Seine Eltern seien von dieser Wahl zunächst eher wenig begeistert gewesen, hätten ihn aber in seinem Tun stets unterstützt. „Junge, mach was Ordentliches, du musst schließlich Geld damit verdienen“, sei ihre erste Aussage dazu gewesen und natürlich hätten sie Recht gehabt, dass Kunst durchaus brotlos sein könnte. „Das muss aber ja nicht zwangsläufig so sein. Ich habe den Beruf nicht gewählt, um Unmengen Geld damit zu verdienen. Es ging mir auch nicht um Ruhm oder einen großen Bekanntheitsgrad, sondern mir ging es immer nur darum Kunst zu praktizieren. Ich wollte etwas künstlerisches auf die Beine stellen, wo ich sagen kann ‚Guckt mal, das habe ich kreiert!‘. Das ist es, was ich toll finde und was mir Spaß macht – eine Rolle, eine Figur zu kreieren. Egal ob vorgegeben oder nicht. Aladdin war ja auch schon am Broadway, jeder kennt den Disney-Film und natürlich habe ich mir vorher Videoclips der dortigen Darsteller angesehen, aber nichtsdestotrotz habe ich viel von meinen eigenen Charakter in diese Rolle gesteckt um sie zum Leben zu erwecken – ich glaube das ist absolut wichtig.“

In Berlin hätte er eine Universität vor der Nase gehabt, hätte zuhause bei seinen Eltern wohnen bleiben und so sicher eine Menge Geld sparen können, anstatt nach Essen zu gehen. Ich möchte in Erfahrung bringen, ob er diese Wahl bewusst getroffen hat, oder ob hier eher das Schicksal oder ein Zufall das Zünglein an der Waage war. „Eigentlich von Allem ein wenig – dass ich nicht in Berlin studieren wollte, war für mich von Anfang an klar. Ich wollte weg von zuhause und auf meinen eigenen Beinen stehen. Das waren meine rebellischen Jahre und ich wollte einfach selbstständig sein. Außerdem hat man in Deutschland jetzt nicht so die riesige Auswahl an entsprechenden Studienplätzen. Dazu kommt, dass ich immer viel zu selbstkritisch bin und zu dem Zeitpunkt noch wenig Selbstvertrauen hatte – ich bin halt selbst mein stärkster Kritiker.“ Sein Kopf sei das größte Problem gewesen, indem er sich ständig und viel zu oft mit Fragen wie: Bin ich überhaupt gut genug? – Kann ich das überhaupt? – Habe ich überhaupt das Talent dafür? – herumgeschlagen habe. „Daher war mein eigentlicher Gedanke immer ‚Hauptsache irgendeinen Platz‘. Meine erste Aufnahmeprüfung war dann die in Essen – ich habe sofort bestanden und wurde aufgenommen, das war schon Wahnsinn.“ Er habe sich dort von der ersten Minute an sehr wohl gefühlt. „Schon die Aufnahmeprüfung war genial – die Lehrer waren einfach klasse, man wurde im wahrsten Sinne des Wortes aufgenommen. Das wirklich Schöne an der Folkwang war und ist immer noch, dass die Schüler des ersten Jahrgangs, die Aufnahmeprüflinge begleiten. Man hatte somit schon Kontakt, konnte Fragen stellen und war in keiner Sekunde wirklich allein.“

(c) Stage Entertainment

„Ja, die Ausbildung hat mich sehr verändert!“, stellt Richard auf meine nachfolgende Frage heraus. Er sei ein sehr schüchterner und verschlossener Mensch gewesen, der seine eigene Meinung immer zurückgehalten habe und mit dem Strom geschwommen sei. „Natürlich hatte ich meine eigene Meinung, mich aber nie getraut, sie offen zu sagen.“ Portraitiert worden sei er gerne als kleiner Sunnyboy, weil er immer viel gelächelt, gelacht und immer schön gestrahlt habe. „In der Ausbildung habe ich gelernt ich selbst zu sein. Ich habe festgestellt wer ich bin und was ich will. Ich habe gelernt auch mal meine Meinung zu sagen und es wurde mir egal, ob ein anderer das gut findet. Man muss nicht von jedem gemocht werden – niemand mag jeden. Heute stehe ich zu meiner Meinung und sage sie auch, einfach weil ich ich bin.“ Ein Schlüsselerlebnis hätte für ihn dabei eine Aufgabe im Schauspielunterricht dargestellt, in welcher sie sich selbst, über eine artistische Darstellung, portraitieren sollten. „Dabei wurde mir klar, was ich in all den Jahren zuvor für Mauern aufgebaut hatte, da spielen vielerlei erzieherische und gesellschaftliche Einflüsse eine Rolle. Diese Mauern sind Schutzmechanismen – diese Schutzmechanismen Schritt für Schritt runterzubrechen und sich wirklich zu öffnen, sich verletzbar zu machen, ist ein harter Prozess. Aber dieser Schritt hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Das geschafft zu haben, macht mich mega stolz und glücklich und das ist mir unglaublich wichtig.“

Das mir heute ein starker, junger Mann gegenüber sitzt, der genau das meint, was er sagt, ist kaum zu übersehen. Richard-Salvador Wolff hat sich im letzten Jahr von den großen Musicalbühnen erst einmal zurückgezogen. Bereits früh in seinem Studium stellte er fest, dass seine eigentliche Berufung nicht direkt auf der Bühne zu finden ist, sondern eher hinter den Kulissen. „Alles hat damit angefangen, dass ich Noelle Turner, meine Gesangslehrerin an der Uni, kennenlernen durfte. Ich war fasziniert, was für ein unglaubliches Gehör sie hat. Sie konnte einfach so hören, was der Stimme gerade in diesem Moment fehlt, veränderte die Übung ein wenig und auf einmal funktionierte es. Mein Interesse an ihrem Können wuchs und wuchs. Gesang war bei mir leider tatsächlich, wohl meinem damals noch fehlendem Selbstbewusstsein geschuldet, immer das schwächste Fach, was meinen Ehrgeiz enorm anstachelte. Ich wollte gerne die ganze Technik dahinter, auch das kleinste Fitzelchen verstehen. Später habe ich dann Andere auch mal so just for fun unterrichtet und dabei bemerkt, dass es mir einfach enorme Freude bereitet – ganz zu schweigen von der Feststellung, dass es bei dem Anderen sogar zum Erfolg führte. Von da an gab es eine starke Konkurrenz zweier möglicher Lebenswege in mir – auf der einen Seite der des Darstellers, auf der anderen der des Gesangslehrers. Im Laufe des weiteren Studiums wurde mir immer mehr bewusst, dass unterrichten meine eigentliche Passion ist.“ Später seien ihm seine eigenen guten Ausbilder zu Hilfe gekommen, die nicht nur ihn selbst bis heute hin gesanglich weiterbrächten, sondern von denen er, neben der Teilnahme an unzähligen Workshops, auch lernte die verschiedensten Gesangstechniken weiter zu vermitteln. „Und dabei braucht es oft gar nicht viel, vielleicht eine kurze Berührung des Kiefers um den Resonanzraum weiter zu öffnen, ein kleiner Druck gegen den Körper um dessen Spannung zu erhöhen oder ihn zu entspannen oder ich ändere die Übung ein klein wenig und schon klappts – jedes Mal aufs Neue ein riesiges Erfolgserlebnis nicht nur für den Schüler“, schwärmt er und man merkt unmittelbar, dass er seinen Job wirklich liebt. Ein Fan von einer bestimmten Methode sei er dabei nicht, viel wichtiger sei ihm, dass er für seine Schüler eine verständliche Sprache spreche und die sei absolut individuell. „Ich muss mich immer wieder neu auf jeden einzelnen Schüler einstellen, ich muss schauen, wohin dessen Stimme muss und welche Sprache mein Schüler versteht. Der eine benötigt Bilder, ein anderer braucht es total technisch und der nächste lernt am besten durch zeigen.“

„Ich finde es absolut toll, eine große Bandbreite an Schülern zu haben. Würde man nur Profis unterrichten, könnte es sein, dass man die Basics vergisst“, erläutert er mir auf die Frage, welchen Unterschied es für ihn ausmache, ob er einen Profi oder privat Lernwillige von gute bis „nur unter der Dusche“ Sänger unterrichte. „Dann bastelt man womöglich bei einem Profi eine ganze Zeit rum und kommt nicht weiter, weil man eine Basic nicht mehr bearbeitet.“ Mit Anfängern müsse er ganz anders arbeiten und immer wieder von neuem sein gesamtes know how hervorkramen und vielleicht auch neue Ideen entwickeln. „Anfänger bringen auch mir tatsächlich ganz viel bei und ich kann diese Ideen dann auch bei den Profis anwenden. Natürlich arbeite ich mit Profis strikter und zielorientierter, die müssen schließlich mit ihrer Stimme im Berufsleben bestehen können.“ Bei seinen Studenten – seit knapp zwei Jahren steht Richard, neben seiner privaten Arbeit, als Gesangsdozent an der Stage School in Hamburg zur Verfügung – habe er ja nur die dreijährige Ausbildungszeit, diese soweit zu bekommen, dass sie am Markt eine Chance hätten. „Bei just for fun Sängern kann ich mir in der Grundausbildung wesentlich mehr Zeit lassen, ich kann andere Songs finden oder beispielsweise verschiedene Stilistiken, wie Jazz oder Klassik ausprobieren, wovon eine Stimme durchaus profitieren kann. Ich finde es einfach sehr schön, auch solche Schüler zu haben.“

„Ja, ich würde wirklich sehr gerne fest an einer Universität unterrichten, bin aber noch sehr jung dafür“ schwelgt er in Zukunftsträumen und wäre für diesen Traum auch bereit seinen Lebensmittelpunkt zu verändern. „Natürlich kommt es dann auch auf den Ort an. Sehr gerne würde ich wieder zurück an die Folkwang gehen, die ich in all den Jahre wirklich lieb gewonnen habe. Nicht nur weil ich dort selber studiert habe, sondern weil ich weiß, wieviel Herzblut da drin steckt. In diesem Ambiente noch einmal arbeiten zu dürfen, natürlich auf der anderen Seite…“, sinniert er schlitzohrig, „…wäre wirklich ein Traum.“

(c) Stage Entertainment – Morris Mac Matzen

Bereits einige Male konnten auch seine Fans ihrem Idol schon einmal so richtig nahe sein, sich selbst in seinem Unterricht ausprobieren und einen Tag mit Richard in ruhiger und gesicherter Atmosphäre bei einem für Fans offenen Gesangs-Workshop verbringen. Er schmunzelt, als er an seinen ersten Kurs dieser Art zurückdenkt. „Zu der Zeit hatten sich meine Interessen ja schon ein bisschen geteilt. Dennoch hatte ich beim ersten Mal wirklich Bammel wie das werden wird. Aber ich muss gestehen, ich habe echt unglaubliches Glück mit meinen Fans. Sie sind absolut lieb, überhaupt nicht bedrängend und ich quatsche wahnsinnig gerne und offen mit ihnen. Bisher ist mir noch nie einer zu nahegetreten, was man ja leider häufiger von anderen Kollegen hören muss. Das war dann auch tatsächlich der Grund, weshalb ich mich überhaupt getraut habe.“ Letzten Endes sei der Tag mega anstrengend gewesen, es waren unheimlich viele Leute, auch aktiv, dabei und sein Kopf habe eine gewaltige Arbeit zu verrichten gehabt. „…aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Mit manchen konnte ich interpretatorisch arbeiten, mit anderen gesanglich – dieser Workshop war großartig für mich.“ Nicht umsonst fand dieser Event, in einer Agentur mit einem besonderen Keller in Köln-Nippes, bereits seine fünffache Wiederholung und es bleibt zu hoffen, dass noch viele weitere folgen werden. „Meine Fans sind wirklich toll und ich freue mich über jeden einzelnen. Sicher gibt es immer mal einen, der es auch mal übertreibt, die nötige Distanz nicht wahrt und einem an der Stagedoor, wie es mal bei Aladdin passierte, einfach sofort in die Arme schließt – für eine solche Nähe sollte man sich schon ein wenig besser kennen, dann wäre auch das kein Problem. Ansonsten dürfen sie aber gerne so weitermachen, wie bisher.“

An gleicher Location stand der Künstler auch bereits mehrfach unplugged in kleinen „Wohnzimmer“-Konzerten auf der Bühne, was mich zu der Frage treibt, ob er sich auch größere Solokonzerte vorstellen könnte. „Solokonzerte kann ich mir schon vorstellen, aber ich mags gemütlich. Deshalb glaube ich auch, dass Musicals auf großen Bühnen nicht so meins sind. Das ist wohl auch der Grund, warum mein Wunsch als Darsteller zurückzukehren nicht wirklich so groß ist, wie man vielleicht vermuten könnte. Aber ich bin ein absoluter Fan von ‚nahe dran‘. Bei Ratan im Keller kann man mit dem kleinen Publikum interagieren und hat zusammen Spaß. Bei 2000 Leuten weiß ich nicht einmal wer da sitzt und ob ich die Menschen erreiche.“ Natürlich bekäme man ein gewisses Gespür dafür und merke absolut wie das Publikum reagiert, aber bei so vielen sei das wesentlich schwerer. Am Schluss mache die Summe den Applaus und man könne schnell in die Irre geleitet werden, was das tatsächliche Feedback, ob gut oder nicht gut, beträfe. „Ein kleines Publikum versteckt das nicht, man merkt alles. Ich liebe diese persönliche Ebene, alles ist einfach viel näher. Ein kleines Konzert ist gerade auch aktuell in Planung – mehr kann ich dazu aber noch nicht verraten.“

Nachdem er sich, trotz großem Erfolg, vor einiger Zeit von den Musicalbühnen ein wenig zurückgezogen hat und momentan nur noch unterrichtend tätig ist, interessiert mich natürlich brennend, ob er sich selbst immer noch als Musicaldarsteller sieht und ob man ihn in Zukunft wieder, immer mal wieder oder vielleicht mal wieder auf einer Bühne erleben kann. „Vielleicht mal wieder. Ich nehme mir heute einfach den Luxus heraus, mir die Stücke die ich mache, auszusuchen. Ob das immer klappt, ist dann halt die Frage.“ Aber welche Rollen könnten ihm gefallen, nach welchen Kriterien geht er in seiner Auswahl vor und gibt es eine Traumrolle für ihn? „Mir ist wichtig, dass mir die Rolle gefällt und das betrifft sowohl die Musik als auch die Story. Eine En-Suite Produktion würde ich dabei eher meiden, viel lieber wären mir kleinere Geschichten, zum Beispiel an Stadttheatern. Eine richtige Traumrolle habe ich eigentlich gar nicht, da geht es mir tatsächlich eher um das gesamte Stück, darum ein Teil des Ganzen zu sein. Es gibt ein paar Musicals, da wäre es richtig, richtig toll die spielen zu dürfen – unheimlich tiefe Rollen und die zu kreieren wäre super spannend.“ Diese Aussage liefert mir natürlich die perfekte Steilvorlage, die Stücke herauszukitzeln, die ihm dabei durch den Kopf gehen und ich bekomme eine sehr spontane Reaktion: „Follies zum Beispiel, oder Company von Sondheim – ich bin ein absoluter Stephen Sondheim-Fan. Ich finde seine Musik großartig, alleine schon weil sie so komplex ist. Company wäre da ein echter Knaller. Tatsächlich ist es sehr, sehr schwere Musik, aber ich liebe sie und wenn man dahinter steigt, dann ist sie einfach wirklich genial.“

(c) Stage Entertainment

„Aladdin war mein erstes großes Engagement und hat mich tatsächlich geprägt…“, kommt seine, wenn auch nachdenklich angehauchte Antwort auf meine entsprechende Frage, „…und ich kann mit gutem Gewissen sagen sowohl im positiven als auch negativen Sinne. Ich denke jede Produktion ist wie eine Medaille und hat ebenso wie diese zwei Seiten. Die Rolle hat mir unheimlich viel Spaß gemacht und ich habe in der Zeit sehr viel gelernt – auch irgendwann, was ich wirklich will. Viele sehen mich immer noch als Aladdin, aber auch er war nur eine Rolle. Wer mich näher kennt, weiß, dass es da große Differenzen zwischen dem Disney-Prinzen und mir persönlich gibt, und das ist auch gut so und mir sehr wichtig. Allerdings denke ich schon, dass ich Aladdin prägen konnte – es steckte viel von mir darin, um diese Rolle zum Leben zu erwecken. Es gibt also sicherlich Parallelen, aber ich würde mir die Seiten von ihm niemals soweit abgucken, dass sie meinen Charakter prägen würden.“

Eine Hauptrolle in einem großen Theater im direkten Anschluss an den Studiengang – war dieser Schritt für Richard-Salvador Wolff letzten Endes ein Fehler, oder genau das, was er brauchte um seine für ihn erfüllende Bestimmung zu finden? „Ich würde nichts, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe, als einen Fehler bezeichnen – das ist einfach meine innere Einstellung“, zeigt er zügig seine eindeutige Meinung. „Alles was in meinem Leben passiert ist, hatte einen Grund und hatte seine Zeit. Durch die Erfahrungen, die ich sammeln konnte, durch all diese Erlebnisse, wurde mir einfach immer klarer, was ich wirklich wollte. Gesang zu unterrichten macht mir wahnsinnig viel Spaß und ich bereue keine Sekunde, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Ich gehe in meiner Arbeit auf und das kann sicherlich jeder meiner Schüler bestätigen. Ich lache sehr gerne dabei und wir haben immer viel Spaß zusammen, auch wenn ich dabei auf eine sehr witzige Art und Weise durchaus sadistisch sein kann und das auch genieße. Wenn ich dann sehe, was mein Schüler auf einmal für Töne rausbringt, dann bin ich mega happy und weiß, dass ich etwas richtig gemacht habe.“

Bevor sich ein sehr informativer Abend dem Ende entgegen neigt, bitte ich meinen Gesprächspartner noch um einige Worte, die er jungen, gerade fertigen Darstellern, die vor ihrem ersten großen und selbstständigen Schritt in ein Engagement stehen, mit auf den Weg geben möchte. „Vieles… Tatsächlich sehr, sehr vieles würde ich ihnen sagen wollen.“ Ich merke an jedem Ton, der nun seine Lippen verlässt, an seiner Gestik und vor allem seiner veränderten Mimik, wie ernst ihm gerade diese Worte jetzt sind. „Wichtig ist zu wissen wer man eigentlich ist, wo man steht und wohin man möchte – nur dann kann man eigene Entscheidungen treffen! Viele, die gerade frisch aus der Ausbildung kommen, kennen nur ein Ziel – einen Job bekommen, Geld verdienen. Dieses Ziel ist sehr, sehr wichtig, richtig und ehrgeizig, aber dieser Job ist hart, richtig hart. Es werden viele Hürden kommen, die man nehmen muss. Man wird ständig auf die Probe gestellt, muss sich bei Auditions beweisen, bekommt Absagen und vielleicht auch mal eine schlechte Kritik. Man muss auf seine Gesundheit achten, ein gesunder Körper ist unser Kapital und man steht ständig unter Druck. Man muss viel reisen, ist selten zuhause, Familienleben ist schwierig. Es braucht eine unheimlich dicke Haut um das alles durchzustehen. Deshalb ist der Gedanke ‚Ich weiß wer ich bin‘ einfach tragend. Wenn man weiß in dieser Sache bin ich gut, in der anderen weniger, wenn man sich realistisch einschätzen kann, dann bekommt man auch in schwierigen Situationen genügend Luft zum atmen und kann Stress vermeiden oder wenigstens kontrollieren. Sicherlich kommen auch mal Zeiten, in denen einem das alles über den Kopf zu wachsen droht, aber wenn man weiß wer man ist und womit man sich wohl fühlt, findet man auch das richtige Maß zwischen Mut und Verzweiflung, zwischen ich muss und ich kann. Es geht jedes Mal darum eine Entscheidung zu treffen und dahinter zu stehen – und das nicht nur, weil man nichts anderes hat. Natürlich gibt es auch die Momente, wo man etwas machen muss, aber wenn man ehrlich sagen kann, ich mache das, weil ich das will, dann hat das einen ganz anderen Wert. Das ist unglaublich wichtig und eben genau das, was ich immer wieder versuche meinen Schülern mitzugeben.“

Vielen Dank Richard-Salvador Wolff, für einen unterhaltsamen Abend mit interessanten und ehrlichen Einblicken, für ein gutes ernsthaftes wie lustiges Gespräch und für die geschenkte Zeit.

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Weiterleitende Links:

Homepage: www.richardsalvadorwolff.com

Facebook: Richard-Salvador Wolff

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