OnStage Wohnzimmerkonzert mit Sierra Boggess – 25. Mai 2019

Als die “OnStage School of Musical“ im Januar bekannt gab, dass Sierra Boggess das erste Deutschland-Konzert ihrer Karriere im Braunschweiger „Wohnzimmer“, also dem Mehrzwecksaal der Schule, bestreiten würde, waren die begehrten Tickets innerhalb von nur wenigen Stunden komplett ausverkauft. Seitdem fieberten die Fans, das OnStage-Team um Katharina und Clemens und auch die Künstlerin selbst diesem Termin entgegen. Gerade für die Fans war dieses Konzert und auch der am darauffolgenden Tag angesetzte Workshop mit Sierra Boggess eine dieser berühmten „once in a lifetime“-Chancen.

So ist die Aufregung und freudige Erwartung an diesem Mai-Abend auch deutlich zu spüren, sowohl bei den Zuschauern, die aus ganz Deutschland und sogar aus den Niederlanden und aus Griechenland zu diesem Konzert nach Braunschweig angereist sind, als auch beim OnStage-Team. Dieses hatte, wie bei all seinen Wohnzimmer-Konzerten, für die Besucher liebevoll ein Buffet und Getränke bereitgestellt. Obwohl sich hier in der kleinen Musicalschule die nationalen und internationalen Stars quasi die Klinke in die Hand geben  (Shoshana Bean, Chris Murray und Rachel Anne Moore waren ebenso schon zu Gast wie Anton Zetterholm und Harriet Jones, Kerry Ellis oder Scott Alan), der Besuch von Sierra Boggess war doch für alle etwas ganz Besonderes. Schließlich ist sie ein Star am Broadway – dort sang sie die Christine im Phantom der Oper und war u.a. die Originalbesetzung der Arielle in „The little Mermaid“ – und am Londoner West End – hier war sie in der Rolle der Fantine in „Les Misérables“ und als Christine in der Original Cast von „Love never dies“ zu erleben.

Gemeinsam mit ihrer Schwester Summer Boggess am Cello und ihrem Schwager Brian Hertz am Flügel hat sie ein 90-minütiges Programm zusammengestellt, das natürlich die Meilensteine ihrer Karriere widerspiegelt, in dem sie aber auch gleichzeitig viel Persönliches preisgibt. So erzählt sie davon, was die Natur ihr bedeutet und wie sie mit ihrer Hilfe immer wieder zu sich findet, vor allem in den Zeiten im Leben, die nicht so leicht sind. Man erfährt, was sie und ihre Schwester bei den Besuchen bei den Großeltern in Illinois am liebsten getan haben, nämlich in deren alten Sachen auf dem Dachboden stöbern. Daran lässt Sierra Boggess die Zuschauer dann auch gleich teilhaben, indem sie einige der Liebesbriefe vorliest, die sich ihre Großeltern während des Zweiten Weltkrieges geschrieben haben.

Auch von den Höhen und Tiefen ihres Berufes erzählt die Sängerin. Von der großen Enttäuschung, als wenige Tage vor der Premiere der französischen Version vom „Phantom der Oper“ das Mogador-Theater in Paris abbrannte und die Show gecancelt wurde – und das nach drei Monaten harten Proben und dem Lernen des französischen Textes, was sie übrigens mit einer französischen Lehrerin namens Odile per Skype zwischen Paris und New York tat. Sehr launig berichtet sie auch von dem Abend, als sie im Haus von Sir Andrew Lloyd Webber vor Queen Elizabeth singen durfte und sie sich dafür extra den Hofknicks und einen britischen Akzent antrainierte.

Im Mittelpunkt des Abends stand aber natürlich der Gesang. Und hier beweist Sierra Boggess auch in diesem kleinen, intimen Rahmen, dass sie zu den besten weiblichen Sängerinnen der Musical-Welt gehört. Das Repertoire des Abends reicht von „If I were a bell“ aus „Guys and Dolls“ über „Part of your World“ aus „The little Mermaid” und “Feed the Birds” aus “Mary Poppins” bis hin zu Songs aus “The Secret Garden” und “I could have danced all night” aus “My Fair Lady”, bei dem sie dann das Publikum auch zum Mitsingen animiert.

Natürlich dürfen auch einige Songs ihrer bekanntesten Rolle, die der Christine Daaé aus dem „Phantom der Oper“, nicht fehlen. So sorgt Sierra Boggess gleich zu Beginn des Abends mit einer viersprachigen Version von „Think of me“ – französisch, japanisch, englisch und zur Freude des Publikums deutsch – für einen ersten großen Gänsehautmoment. Gegen Ende der Show begeistert sie ihre Fans dann noch mit „Wishing you were somehow here again“ und sorgt damit für so manches feuchte Augenpaar.
Das Ende des Programms kommt viel zu schnell, zumindest nach dem Geschmack der Zuschauer. Der kleine Schulsaal tobt regelrecht, als Sierra Boggess und ihre beiden musikalischen Mitstreiter sich von der Bühne verabschieden. Und die Fans werden belohnt, denn die Sängerin nimmt sich noch Zeit, um jedem Fan ein Autogramm zu geben und Fotos zu machen. Eine schöne Zugabe für einen Abend, den die glücklichen Besitzer einer Eintrittskarte gewiss so schnell nicht vergessen werden.

Fotos: AmoneA Musical World

 

Weiterführende Links:

OnStage School of Musical
Sierra Boggess

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