Sommernacht des Musicals XXI

 

13.07.2019, Burgtheater Dinslaken

(c) Fantastival Dinslaken

Bereits zum 21. Mal jährte sich im Dinslakener Burgtheater eine Veranstaltung, zu der es den Verantwortlichen immer wieder gelingt, Stars und Sternchen der unterschiedlichen Genres unter freiem Himmel zu vereinen. Beim „Fantastival 2019“, welches vom 4. bis 16. Juli stattfand, gaben sich nationale und internationale Musikgrößen wie Sasha, Angelo Kelly & Family, Die Prinzen, Niedeckens BAP oder Tom Jones sowie Komiker Jochen Malmsheimer oder Kabarettist Herbert Knebel mit seinem Affentheater die Klinke in die Hand. Aber auch für die ganz kleinen Zuschauer gab es mit „Pumuckel zieht das große Los“ einen Grund, in den Innenhof der Burg zu eilen.

Die mittlerweile weit über die Ortsgrenzen Dinslakens hinaus bekannte und jährlich ebenfalls unter der Schirmherrschaft des Fantastivals stattfindende „Sommernacht des Musicals“ zählt zu den Musicalkonzert-Highlights in der Region. Karten für dieses Event werden bereits mehr als ein Jahr vorher, ohne Bekanntgabe der Cast, in den Vorverkauf gebracht und bescheren den Machern bereits wenige Minuten nach dem Start ein komplett ausverkauftes Haus. Die Fragen nach Beliebtheit und Qualität dieser Veranstaltung halten sich also durchaus in Grenzen, was damit zu erklären ist, dass hier immer überaus bekannte und beliebte Größen der Musicalbranche auf der Bühne zu sehen sind.

(c) Fantastival Dinslaken

In diesem Jahr geben sich neben Serkan Kaya, der zwar nicht zum 21. Mal, aber sicher von allen bisher am häufigsten vertreten war, auch Christian Alexander Müller, vielen als Phantom der Oper in Erinnerung,  sowie mit Mark Seibert einer der derzeit in Deutschland wohl beliebtesten Musicaldarsteller ein Stelldichein. Charmante Unterstützung erfahren sie durch Patricia Meeden, die ebenfalls schon in eine Vielzahl unterschiedlicher (Haupt)-Rollen schlüpfen durfte, Tessa Sunniva van Tol, die ihre Premiere auf der Burgbühne feiert, sowie durch Roberta Valentini, die spontan für die leider erkrankte Sabrina Weckerlin einspringt und einen nicht minder großen Bekanntheitsgrad bietet. Die Fans von Weckerlin zeigen sich zwar enttäuscht aber verständnisvoll und freuen sich auf Valentini, die alle Hebel in Bewegung setzte und eine bereits geplante Veranstaltung verschob, um dem Ruf nach Dinslaken zu folgen.

(c) Fantastival Dinslaken

Bereits mittags bilden sich zu beiden Seiten der Burg lange Schlangen wartender Menschen, die eine Karte für den großen zwar bestuhlten, aber mit freier Sitzplatzwahl ausgestatteten Bereich in den Händen halten – alle anderen können sich mit ihrem Eintritt Zeit lassen, der nummerierte Stuhl bietet ihnen entsprechende Sicherheit. Die Gespräche der Umstehenden spiegeln die aufgeregt neugierige Stimmung wieder und verebben erst kurz bevor das Spektakel beginnt. Im Halbrund hinter den obersten Sitzplätzen reihen sich Info- und Merchandisingstände neben Imbiss- und Getränkeverkauf und erzeugen eine gemütliche und gesellige Atmosphäre. Erst nachdem der Gong ertönt, eilen die letzten Besucher zu ihren Plätzen in dem mit harten Metallbänken – Sitzkissen sind erforderlich – ausgestatteten und in jeder Reihe ansteigenden Zuschauerraum, der die großzügige Bühne umrahmt. Gute Sicht genießt man von allen Plätzen und auch die Tonqualität und Lichtführung kann überall gleichermaßen überzeugen.

(c) Fantastival Dinslaken

Den Beginn der Sommernacht gestaltet jedes Jahr eine andere Formation, die damit ihr Können einer breiteren Masse präsentieren darf. Thomas Bauchrowitz von Seiten der Fantastival-Organisation lässt es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen, das Publikum auf seine Weise zu begrüßen, es zu ersten sportlichen und freundschaftlichen Maßnahmen anzustacheln und den Support Act anzukündigen. Die semiprofessionelle „Creative Arts Group“ aus Düsseldorf übernimmt mit der Darbietung einiger Ausschnitte aus ihrer neuesten Musicalproduktion „The Addams Family“ diesen Part und bringt die Zuschauer damit bereits auf „Betriebstemperatur“, bevor die eigentliche Sommernacht startet.

Wer als Besucher den Weg zur Burgbühne findet, der weiß oder ahnt zumindest nach Erzählungen, was ihn erwartet, wenn Serkan Kaya angekündigt ist. Mit seiner lustigen und foppenden Art, seiner „großen Klappe“ und seiner bekannten Spontanität bringt er nicht nur das Publikum häufig zum Lachen, sondern sorgt auch dafür, dass seinen Mitstreitern auf der Bühne des Öfteren ob seiner witzigen Ideen der Schweiß ausbricht, ihnen mulmig zumute wird oder sie mit Herzklopfen der Dinge harren, die da auf sie zukommen.

(c) Fantastival Dinslaken

Bereits beginnend mit einem verwirrt umherschauenden Moderator, weil Kaya Faxen machend unbemerkt im Hintergrund über die Bühne turnt und natürlich schallendes Gelächter des Publikums erntet, zwei irritierten Sängern, die sich einem nicht geplanten „Spiel“ gegenüber sehen, bis gipfelnd in einem leicht verstörten Mark Seibert, weil Kaya den geprobten und laut Plan festgesetzten Ablauf nicht einhält, ihn mal eben für ein Duett alleine lässt und einfach nicht da ist. Spätestens nach den ersten Takten allerdings fragt man sich, wie es Seibert trotz buchstäblich überströmender Lachtränen überhaupt gelingt, noch weiter ernst bei seinem Song zu bleiben, wenn Kaya, in Frauenkleidung nebst Perücke gehüllt, dann doch noch auftaucht und geschäftig beginnt die Bühne zu säubern. Den größten Lachflash allerdings provoziert er aber anschließend, als er mit den ihm quasi auf den Hüften hängenden Brüsten beginnt Fußball zu spielen. Es ist eine Freude, Serkan Kaya bei seinen Albernheiten zuzusehen und genau dies macht einen unnachahmlichen Teil der Sommernacht in Dinslaken aus. Alle Beteiligten überzeugen mit Spaß und die Freude am Geschehen steht ihnen buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Das Publikum geht mit, nimmt die Späße mit Freude auf und lässt sich auf eine Reise durch die emotionale Welt der großen Musicalsongs entführen – wobei es den Bühnenaktiven meisterlich gelingt, zwischen Spaß und Albernheiten sowie ernsten und auch traurigen Momenten zu wechseln.

(c) Fantastival Dinslaken

Die Setlist liest sich nicht alltäglich. Viele immer wieder auf fast allen Konzerten gespielte Songs finden diesmal den Weg nicht darauf – ungewöhnlichere und teils poppig-rockige Lieder lösen sie erfrischend und kurzweilig ab. Bereits mit ihrem ersten Stück „Reise durch die Zeit“ aus „Anastasia“ werden die Zuschauer hellhörig dem Neuling Tessa Sunniva van Tol gegenüber und sie werden auch bei „Ich gehör nur mir“ aus „Elisabeth“ oder im von allen drei Damen dargebotenen „Wer kann schon ohne Liebe sein“ aus „Die 3 Musketiere“ nicht enttäuscht. Mit ihrer glockenklaren Stimme kann sie viele Herzen im Nu erobern und ist damit die Überraschung des Abends. Die Messlatte legen aber alle Aktiven dieses Mal auch extrem hoch. Valentini zeigt mit „I need a Hero“ von Bonnie Tyler ihr beachtenswertes Talent auch in temporeichen Liedern, bevor sie im Zusammenspiel mit Graf Mark von Krolock in den Armen des Vampirs stirbt. Meeden überzeugt sowohl mit „Simply the Best“ von Tina Turner als auch mit „One Moment in Time“ aus Bodyguard und hinterlässt bei „Shallow“ aus dem Film „A Star ist born“, welches sie zusammen mit Kaya vorstellt, regelrecht ein tobendes Publikum. Kaya ist mit „Geh nicht fort von mir“, einem Song von Klaus Hoffmann, emotional kaum zu überbieten. Die Zuschauer schweigen still, man könnte eine Stecknadel fallen hören und es dauert einige Sekunden, ehe im Anschluss ein stürmischer Applaus losbricht.

(c) Fantastival Dinslaken

Müller überzeugt einmal mehr in seiner Paraderolle als Phantom, sowohl mit „Till I hear you sing“ aus „Love never dies“ als auch später im Duett mit van Tol zu „Das Phantom der Oper“. Dass Seibert nicht nur die leisen Töne perfekt beherrscht, sondern sich auch durchaus rockig zu präsentieren versteht, zeigt er mit „I want to break free“, einem Stück aus „We will rock you“, in welchem er schon vor etlichen Jahren die Hauptrolle verkörperte. Mit „Ein Traum ohne Anfang und Ende“ aus „Die Päpstin“ lässt er wieder einmal Frauenherzen schmelzen und schafft mit „Wie kann es möglich sein“, einem Song aus dem Musical „Mozart“, eine wunderbar gefühlsbetonte Akzentsetzung auf die verzweifelte Autorität, die Erzbischof Colloredo in dem Stück gefangen hält.

Die Show ist großartig, alle Darsteller strahlen den Spaß und die Freude neben aller Professionalität buchstäblich aus, jeder Einzelne überzeugt absolut und trägt zur Unbefangenheit und dem Vergessen der Alltagssorgen für eine kurze Zeit bei. Das Wetter ist für ein Open-Air-Konzert traumhaft – warm und trocken. Und trotzdem fehlt unterschwellig etwas. Sabrina Weckerlin – ihre lustigen Bauernregeln werden vermisst, es fehlen ihre unbefangene Fröhlichkeit, ihre Späße und ihr Wortwitz. Es mangelt dem Abend an nichts – aber irgendwie denkt jeder immer mal wieder an sie und ist traurig, dass sie nicht da ist – und trotzdem ist sie irgendwie dabei. Dafür sorgen die Verantwortlichen, indem sie sie während der Show am Telefon dazu holen. Ihre Bauernregel ist witzig wie eh und je, vielleicht ein bisschen lang und nicht wirklich eine richtige Regel, wie sie lachend selbst befindet, aber dem Publikum gefällt es. Einen gefühlvollen Höhepunkt schaffen alle Beteiligten aber zum Schluss – die Zugabe „Ohne Dich“ ist nicht nur durch Titel und Text bedeutungsschwanger, sondern gewinnt an unübertroffener Emotionalität durch das Einspielen der ersten Takte gesungen von Weckerlin.

(c) Fantastival Dinslaken

Der finale Applaus ist riesig, lange stehen die Zuschauer und möchten die Künstler nicht von der Bühne lassen. Die zweite Zugabe – der wiederholte Eröffnungssong des Abends – verklingt lange nicht und trotzdem ist sie dann plötzlich vorbei. Die „Sommernacht des Musicals“ 2019 ist gefühlt viel zu früh Geschichte, aber wie heißt es so schön – nach der Sommernacht ist vor der Sommernacht – und so verstricken sich die Gespräche beim Verlassen des Veranstaltungsortes bereits in Spekulationen, mit welchen Gästen wohl die Sommernacht 2020 aufwarten wird. Karten werden nicht mehr angeboten, die Veranstaltung ist zum jetzigen Zeitpunkt bereits ausverkauft.

 

 

Bilder und Video (c) Fantastival Dinslaken

 

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Weiterführende Informationen:

Fantastival Dinslaken
Serkan Kaya
Mark Seibert
Christian Alexander Müller
Patricia Meeden
Tessa Sunniva van Tol
Roberta Valentini
Sabrina Weckerlin

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