Leder, Jeans und Cowboystiefel – Magdeburger Domplatz wird zum Wilden Westen
Gespräch mit dem „Oklahoma!“-Kostümbildner Lukas Pirmin Waßmann
Seit im Jahr 2008 die „Titanic“ vor der beeindruckenden Kulisse des Magdeburger Doms in die Neue Welt aufbrach und dabei Schiffbruch erlitt, ist das jährliche Domplatz Open Air des Theaters Magdeburg zu einer vielbeachteten und in der deutschen Musicalwelt bekannten Marke geworden. Beliebte Stücke wie „Disney’s Die Schöne und das Biest“, die „Rocky Horror Show“, „Chicago“ oder „Liebe stirbt nie“ standen auf dem Plan. Regisseure wie Gil Mehmert, Ulrich Wiggers oder Sebastian Rietschel hinterließen ihre Handschrift. Musicalstars wie Patrick Stahnke, Anton Zetterholm, Thomas Borchert, Kerstin Ibald, Bettina Mönch eroberten den Domplatz. Auch zwei “No Angels” lockte es auf die Bühne am Domplatz: Lucy Diakovska (Rocky Horror Show) und Sandy Mölling (Chicago).

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In diesem Musicalsommer nun wird Magdeburg zum Wilden Westen. „Oklahoma!“ ist ein Meilenstein der Musicalgeschichte und noch heute ein sehr populäres Stück in den USA. In Deutschland dagegen ist die Geschichte um ein junges Liebespaar, einen düsteren Farmarbeiter und den Konflikt zwischen Farmern und Cowboys nicht allzu häufig zu sehen.
Doch auch in diesem Jahr ist der Cast gespickt von bekannten Namen: In der Hauptrolle der Laurey Williams debütiert Sabrina Weckerlin und in der Rolle des charmanten Cowboys Curly McLain ist Nicky Wuchinger erneut in Magdeburg zu erleben. Ebenfalls Magdeburger „Wiederholungstäter“ sind Kerstin Ibald als Tante Eller Murphy und Alexander Auler als Bösewicht Jud Fry.
Für „Oklahoma!“ kehrt auch Regisseur Erik Petersen in seine Heimatstadt Magdeburg zurück. Für ihn ist es nach „Les Misérables (2013, Regieassistenz)), „Hair“ (2016) und „Rebecca“ (2022) bereits das vierte Domplatz Open Air. Er verspricht eine new-fashioned Inszenierung des Klassikers mit Feuer-, Licht- und Pyroeffekten, actionreichen Kämpfen und großen Ballettnummern. Für die passende Kulisse bringt Petersen den Bühnenbildner Dirk Hofacker zurück nach Magdeburg. Gemeinsam zeichneten sie 2022 für die spektakuläre „Rebecca“-Kulisse verantwortlich.

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Sein Magdeburger Debüt dagegen feiert Lukas Pirmin Waßmann, der für die realistischen Kostüme im Stile des beginnenden 20. Jahrhunderts verantwortlich zeichnet.
„Ich habe mir schon lange gewünscht, am Theater Magdeburg zu arbeiten und freue mich, dass es nun endlich soweit ist“, erzählt er uns, als wir ihn in den Magdeburger Theaterwerkstätten treffen. Es ist Anprobentag für die Damen des Opernchores, neben dem Kostümbildner sind drei Mitarbeiterinnen der Damenschneiderei mit im Raum. Im 15-Minuten-Takt wird angezogen, umgezogen und ausgezogen, hier mal ein Schultertuch weggenommen, dort ein Gürtel hinzugefügt. Es dominieren Jeans, Leder und Karostoffe.
„Oklahoma! Ist eine Geschichte von Arbeit und auch über Träume von Arbeit“, erklärt Waßmann. „Da sind die Farmer und Minenarbeiter auf der einen Seite, die Cowboys auf der anderen.“ Und diese Gegenüberstellung findet sich auch in den Kostümen wieder. Jeans und Karohemden für die einen, Leder mit Fransen plus die typischen Hüte und Stiefel für die anderen. „Erik Petersen hatte da von Anfang an eine Vision für seine Inszenierung.“
Auf den Kleiderstangen im Flur hängen unzählige Röcke, Kleider und Oberteile, dazu Hüte, Fransenjacken und Cowboystiefel. Um die 300 Kostüme gilt es zu fertigen und anzupassen – für den Hauptcast, das Ensemble, den Chor, die Tänzerinnen und Tänzer, für die Statisterie.

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„Ohne den großartigen Fundus und die Kolleginnen der Schneiderei des Theaters Magdeburg wäre das gar nicht möglich“, lobt Waßmann. Und so finden viele Kostüme aus früheren Inszenierungen erneut den Weg auf die Bühne, natürlich mit neuen Details und oft auch in abgeänderter Form. Dabei gilt es für den Kostümbildner nicht nur, die Stimmung des Stückes und des Ortes der Handlung einzufangen. So muss er auch beachten, dass die Kostüme tauglich sind für die Chorografien, für die Sabine Arthold – übrigens auch keine Unbekannte in Magdeburg – verantwortlich zeichnet. Und nicht zuletzt müssen die Kostüme den besonderen Bedingungen einer Open Air Inszenierung standhalten. „Das denke ich natürlich immer mit. Es kann heiß werden oder am späten Abend eben auch kalt. Oder nass.“ Und so gibt es als zusätzliches Accessoire mal eine Jacke, eine Weste oder ein Tuch.
Für Lukas Pirmin Waßmann ist „Oklahoma!“ nicht sein erstes Open Air. Er entwarf auch die Kostüme „Ronja Räubertochter“ in Schwäbisch Hall und für „My Fair Lady“ in Chemnitz, letzteres übrigens auch eine Inszenierung in der Regie von Erik Petersen.

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Natürlich gibt es neben den Kostümen aus dem Fundus auch diejenigen, welche den Darstellenden extra auf den Leib geschneidert werden. „Das sind vor allem die Kostüme für die Hauptrollen“, so Waßmann.
Zum Schluss unseres Besuches ist ihm noch eines wichtig zu sagen: „Die Arbeit hier in Magdeburg ist etwas ganz Besonderes. Das gesamte Team, vor allem auch in der Schneiderei, ist ausgesprochen herzlich und arbeitet hochprofessionell trotz einem Riesenberg Arbeit und hohem Druck. Mir macht die Arbeit hier großen Spaß und ich hoffe, dass ich irgendwann wieder hier arbeiten darf.“
Premiere für „Oklahoma!“ ist am Freitag, 19. Juni, um 21 Uhr auf dem Magdeburger Domplatz. Dann läuft es bis zum 12. Juli jeweils mittwochs-sonntags. Die Vorstellungen sind schon nahezu ausverkauft, Restkarten gibt es auf der Website des Theaters Magdeburg.
