Gentlemen of Musical

Ehrenmänner, Kavaliere, richtige Gentlemen sind rar geworden in der Gesellschaft. Dennoch ist der historische Begriff noch immer geläufig und findet seine Verwendung nicht mehr wie ursprünglich wahrscheinlich erdacht in der Bezeichnung Adeliger zum Nachweis der Abstammung. Philosophisch spielte der Begriff seit jeher eine elementare Rolle und wurde einst mit der griechischen Vorstellung des „Idealmenschen“ gleichgesetzt.

Zwei Herren, auf die wohl die meisten der langläufig einem Gentleman zugesprochenen Eigenschaften zutreffen, sollte ein solcher historisch gesehen doch „lesen, schreiben, zeichnen, singen und fremde Sprachen sprechen können“, sind Jan Ammann und Kevin Tarte.

Vor allen Dingen sind sie jedoch zwei großartige Künstler, die es jeder für sich seit Jahren verstehen ihr Publikum bestens zu unterhalten, sei es auf einer großen Musicalbühne, oder aber auch bei Galashows oder Konzerten bis hin zum kleineren Rahmen. Seit geraumer Zeit touren sie aber auch gemeinsam als „Gentlemen of Musical“ durch Deutschland und Österreich und haben sich für ihre diesjährige Tournee eigens ein neues Programm zurechtgelegt. Mit dem letzten, einem Winter-Spezial waren sie Ende 2017 unterwegs und werden seither von ihren treuen Fans sehnlichst zurückerwartet. Nach beinahe anderthalb Jahren „Abstinenz“ in dieser Konstellation hat das Warten im Frühling 2019 ein Ende gefunden. Ihre Besucher, die sich an einen warmen Frühlingsabend im First Stage Theater in Hamburg ein Stelldichein gaben, umtrieb dementsprechend eine große Neugierde auf das aktuelle Konzertprogramm und so drehten sich bereits weit vor Vorstellungsbeginn viele Gespräche nicht nur um die Freude alte Bekannte wiederzusehen.

Das Foyer, in warmen Rottönen gehalten, verströmt ein heimeliges Flair und die Stimmung ist freudig gelöst, als sich die Türen öffnen und den Weg in das ehemalige Kino, mit bester Sicht von allen etwa 250 Plätzen, freigeben. Karg geht es wieder – im Gegensatz zu vielen anderen von Sound of Music Concerts veranstalteten Konzerten – auf der Bühne zu. Lediglich ein Flügel, an dem Marina Komissartchik wie gewohnt mehr als beflügelt die Protagonisten begleitet und zwei Gitarren, die von Marcel Galos gespielt werden, zieren sie. Doch wahre Gentlemen benötigen keinen Tand um zu begeistern, sie füllen die Spielfläche allein mit ihrem Gesang und Spiel völlig zureichend aus.

Den Konzerteinstieg finden beide gemeinsam mit den aus den Vorjahren bekannten und fast schon obligatorischen Songs „You’re nothing without me“ aus City of Angels und „Who will love me as I am“, mit welchen sie bereits zu Beginn die gute Laune im Publikum anstacheln und die ersten Lacher ob ihres lustigen, übertriebenen Spiels provozieren. Zwar im Vorfeld benannt, aber vielen noch unbekannt, empfiehlt sich ihr weiblicher Gast, Sophie Alter, trotz ihrer erst kürzlich beendeten Ausbildung an der Stage School in Hamburg, bereits jetzt sehr stimmgewaltig und facht die Freude auf das noch Folgende zusätzlich an. Auf der zu ihrer ehemaligen Ausbildungsstätte gehörenden Bühne, hier im First Stage Theater, fühlt sie sich sichtlich wohl. Noch im vergangenen Jahr agierte sie an dieser Stelle im Abschlussstück „Fame“, welches ihr Jahrgang zur Begeisterung der Zuschauer umgesetzt hat. Nun tourt sie als einziger Gast mit den Gentlemen of Musical und findet sich ohne Schwierigkeiten in die Herrenrunde ein. Auch ein neues Programm wird, wie eingangs erwähnt versprochen und man ist erstaunt, wie tatsächlich anders es daherkommt. Lediglich ein Block „Best of Gentlemen of Musical“ enthält neben dem Einstieg und dem Ende bereits aus diesem Format bekannte Stücke. Erfreulicherweise wird auch fast gänzlich auf Titel verzichtet, die bei Musicaldarstellern in ziemlich jedem Konzert vertreten sind. Hier herrschen Songs aus Filmen und Serien oder eine Hommage an Burt Bacharach mit einem kompletten Block vor und entführen die Zuschauer in weniger bekannte und selten gespielte Welten. Von diesen beiden Protagonisten ebenfalls selten bis nie gehört und zweifellos ein Highlight am heutigen Abend ist der Country Block, der mit bekannten und beliebten Stücken von „River and the Rain“ über „Whiskey Lullaby“ bis hin zu John Denvers „Take me home, country roads“ aufwartet. Besonders hervorzuheben ist hier ein gefühlsbetontes und von Kevin Tarte und Sophie Alter dargebotenes „We’ve got tonight“. Ursprünglich stammt das oft gecoverte Lied von Kenny Rogers/Sheena Easton (Komposition Bob Seger). Das Bühnenpaar drückt dem Song jedoch seinen ganz eigenen Stempel auf, verursacht so ein langes in den Köpfen Nachhallen und reißt damit das Publikum auf eine besondere Weise mit.

Das es den beiden Herren bestens gelingt, die Waage zwischen Emotion, Spaß und Freude zu halten und ihre Besucher wenigsten für ein paar Stunden aus dem Alltag zu entführen, beweisen sie mit ihrer abwechslungsreichen und gut gewählten Setlist, die im Block „Mamma Mia“ gipfelt, bevor sie mit wiederum bekannten GoM-Melodien auf die Zielgerade zusteuern. Spätestens mit Anstimmen von „Send in the Clowns“, „Hallelujah“ und „Weil das mein Leben ist“ hält es niemanden mehr auf den Sitzen und der gezollte Beifall findet schwer seine Grenze. Erst nachdem die letzten Töne von „That’s what friends are for“ verklingen, kehrt langsam Ruhe ein und nach einer gefühlt viel zu schnell vergangenen Zeit, findet der Abend ein langsam ausschleichendes Ende.

 

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Weiterführende Links:

Jan Ammann
Kevin Tarte
Sound of Music Concerts

Ein Kommentar

  • Judith Brandt-Postus

    Hier stimmt jedes Wort !
    Leider ist es immer viel zu schnell vorbei. Vor dm Konzert fiebert man auf den Beginn. Nach dem Konzert ist man glücklich so etwas tolles erlebt zu haben. Ja sogar Teil davon gewesen zu sein. Gleichzeitig ist man auch traurig weil es schon vorbei ist und man sooo lange auf eine Neuauflage warten muss. Es begeistert alle!

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