Wir – Familie ist, was man draus macht!

12.04.2019 Schmidtchen Hamburg (erste Show nach Premiere)

Es ist Freitagabend, auf der Reeperbahn im Hamburger Stadtteil St. Pauli wird langsam das Wochenende eingeläutet. Menschen aller Couleur defilieren über die Straße, verweilen bei schönstem Frühlingswetter an kleinen Buden, den Außenbereichen der zahllosen Gastronomiebetriebe oder lauschen den Klängen diverser Musiker, die ihr Können bereitwillig allen Interessieren unter freiem Himmel offenbaren.

Photo: Schmidts Tivoli/Morris Mac Matzen

Vor dem Schmidtchen, dem kleinen Bruder des größeren Schmidttheaters und des Schmidts Tivoli, versammeln sich rund 200 Interessierte, um sich die erste Vorstellung von „Wir – Familie ist, was man draus macht!“, die der breiten Öffentlichkeit nach der Premiere am Vortag präsentiert wird, anzusehen. Ausnahmslos jeder Platz findet jemanden, der ihn besetzt und Schmidt-pünktlich, eine gute Viertelstunde nach dem avisierten Spielbeginn und mit einer überaus musikalischen und humoristischen Begrüßung durch die gute Seele des Theaters, Henning Mehrtens, beginnt das neue Musical aus der Feder von Franziska Kuropka und Lukas Nimscheck. Das Autorenduo schreibt bereits seit längerer Zeit erfolgreich gemeinsam und konnte in der jüngsten Vergangenheit für „Jana und Janis“ bereits den Deutschen Musical Theaterpreis einheimsen. In ihrer Anmoderation begrüßen sie ihrerseits kurz die Anwesenden im Saal und erzählen, dass ihr neuestes Werk in Teilen autobiographisch sei.

Angekündigt wird eine bunte Musicalkomödie, die sich mit den Themen Familie und deren Planung, Freundschaft, aber auch Vorurteilen und Liebe befasst. Doch was genau ist eine Familie eigentlich? Per Definition handelt es sich um eine Lebensgemeinschaft, die durch Partnerschaft und oder Heirat entsteht und meist aus einem oder zwei Elternteilen und einem oder mehreren Kindern (leiblich oder angenommen) besteht. Bei diesem Gedanken ist es also überhaupt nicht abwegig, dass ein einziges Elternteil vier Kinder allein erzieht, wohl aber schwierig zu begreifen, wenn vier potenzielle Elternteile sich den Wunsch nach einem gemeinsamen Kind erfüllen möchten. Und genau darum geht es hier an diesem Abend im Schmidtchen, wahlverwandt in einer Theaterfamilie, vor den Zuschauern, die von Mehrtens am Anfang seiner Begrüßung auch als eine Art Familie bezeichnet werden.

Photo: Schmidts Tivoli/Morris Mac Matzen

Ende Juni 2017, also erst vor weniger als zwei Jahren, wurde vom Bundestag mit überwältigender Mehrheit der Beschluss gefasst, dass fortan auch gleichgeschlechtliche Paare die Ehe eingehen und selbst Kinder adoptieren dürfen. Mit einer Einspielung der Tagesschaumeldung dieses denkwürdigen Tages beginnt das Musical. Die beiden langjährigen Paare Christian und Magnus sowie Sabine und Natalie sehen dies als ihre Chance auf Gleichberechtigung. „Heut ist unser Tag“, intonieren sie und freuen sich über die größere Akzeptanz, neue Chancen eine Familie zu gründen und die nun hoffentlich abgelegten Vorurteile. Nie wieder möchten sie sich als Menschen zweiter Klasse fühlen und von ihrem neuen Recht Gebrauch machen. Dass sie nicht überall sofort auf geänderte Denkweisen stoßen, wird spätestens deutlich, als Magnus und Christian vor den Altar treten und der Standesbeamte von seinen eigenen Fragen peinlich berührt wirkt.

Photo: Schmidts Tivoli/Morris Mac Matzen

Auch die beiden Damen treten vor den Altar und erinnern sich in einer Rückblende an ihr Kennenlernen, durchleben die Gefühle und Aufregung ihrer gemeinsamen Zeit erneut, sind überdreht ob der neuen Chancengleichheit, die sie sehen. Am meisten freuen sie sich darüber, dass man nie wieder auf sie hinabsehen wird und sie sich nicht mehr der Frage, wer in ihrer Beziehung der Mann sei, zu stellen haben.

Kurze Zeit nach ihrer Hochzeit keimt bei den beiden Pärchen der Wunsch nach einem eigenen Kind auf. Die Männer gehen dieses vermeintliche Problem sehr pragmatisch an und versuchen kurzerhand ihre beste Freundin Kerstin Kaiser mit ins Boot zu holen. Auch wenn sie sich schwer damit tun, einen Anfang zu finden, tragen sie ihr ihren Wunsch vor, sie als Leihmutter zu haben. Sie lehnt dies jedoch vehement ab und beteuert, keine eigenen Kinder zu wollen und sich mit dem Gedanken daran nicht anfreunden zu können. Um ihre Freundschaft nicht aufs Spiel zu setzen, erklärt sie ihre Beweggründe für die Absage ausgiebig und durchaus nachvollziehbar.

Auch im Haushalt von Sabine und Natalie fehlt der ersehnte Nachwuchs. Die beiden haben jedoch Pläne geschmiedet, wie sie ihre Familienplanung angehen wollen. Feuerwehrfrau Sabine ist bedrückt, dass sie in ihrem Job oft als Mann gesehen und von den Kollegen gern aufs Korn genommen wird. Ihre Frau lenkt sie mit einer Liste potenzieller Samenspender von dem Gedanken ab. Einer Debatte über das Für und Wieder folgt ein Anruf bei Greenpeace Aktivist Gabriel, der mit über 12.000 Followern auf Social Media Kanälen eine gute Partie zu sein scheint. Sein großes Plus ist, dass er schon einmal eine kurze Liaison mit Sabine hatte, ehe sie zu ihrer wahren Neigung stehen konnte. Als der Anruf bei ihm unbeantwortet bleibt, kommt Sabine eine andere, vermeintlich bessere Idee, sie ihrem Ziel näher zu bringen.

Photo: Schmidts Tivoli/Morris Mac Matzen

Zeitgleich versuchen der Maskenbildner Christian und Sabine ihren jeweiligen Ehepartnern ihre Idee, im LGBT Begegnungszentrum eine Gruppe aufzusuchen, die sie mit andern Paaren mit Kinderwunsch zusammenbringt, schmackhaft zu machen. Lautstark lehnen Magnus und Natalie dies ab und argumentieren dagegen, indem sie jedes Vorurteil auspacken, welches ihnen zum jeweils anderen Geschlecht in den Sinn kommt. Doch mit der Zeit ändern sie wiederwillig ihre Meinung und stellen fest, dass die Unterschiede zwischen Schwulen und Lesben doch gar nicht so groß sind und ihre größte Gemeinsamkeit wohl darin liegt, dass sie nachvollziehen können, wie es ist, am Rand zu stehen und häufig ausgegrenzt zu werden sowie gegen Vorurteile ankämpfen zu müssen.

Photo: Schmidts Tivoli/Morris Mac Matzen

In der Gruppe „Chosen Family“, die von Normen, der sehr affektiert wirkt, geleitet wird, treffen die vier das erste Mal aufeinander. Auch wenn das Konzept Erfolg versprechend klingt, wirkt Normen doch etwas infantil und einfältig in seinen Hippie-verstrahlt wirkenden Aussagen. Magnus und Natalie fühlen sich vom ersten Moment an unbehaglich und gehen nach Normens Willkommens-Lied, welches er mit seiner Frau Marianne zum Besten gibt, direkt verbal aufeinander los. Bei ihrem Streitgespräch, in welches sich auch die Partner einmischen, entdecken Christian und Sabine sich wieder und beginnen sofort, von ihrer gemeinsamen Jugend in Bitterfeld zu erzählen. Es wird klar, warum die beiden sich so gut verstehen. Aus dem gleichen Ort stammend hat sie sich als seine Beschützerin gesehen und ihn bestärkt, wenn er von der Dorfjugend wieder einmal zum Narren gehalten wurde. Dafür teilen sie einen gemeinsamen Traum, in die Großstadt zu ziehen. Während Christian davon träumt nach Hamburg zu ziehen und dort Karriere zu machen, möchte Sabine lieber in Berlin ihr Glück versuchen. Mit „Bye Bye Bitterfeld“ wollen sie beide ihrem spießigen Kleinstadtleben entkommen und die Welt erobern. Erst jetzt, Jahre später, treffen sie sich in Hamburg wieder.

Photo: Schmidts Tivoli/Morris Mac Matzen

Ihre Partner sind noch immer nur wenig begeistert von den „neuen Freunden“ und halten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. Christian versucht seinen Mann zu überzeugen, er ist schwer begeistert, seine alte Freundin wiedergetroffen zu haben, doch dieser hat Bedenken wegen Nathalies unterkühlter und rationaler Art, die bei näherem Hinsehen seiner eigenen gar nicht so unähnlich ist. Christian schmeichelt ihm und versucht, ihn mit der Aussicht als Samenspender fungieren zu dürfen zu locken, woraufhin die Frage, „Möchtest du wirklich zu viert ein Kind?“ das erste Mal aufgeworfen wird.

Doch auch bei den beiden Frauen hängt der Haussegen schief. Schwule seien viel zu sensibel, wenn sie schon bei Disneyfilmen heulen, wie soll es denn erst werden, wenn es um echte Probleme geht? Das ist die unumstößliche Meinung, an der Natalie festhält. Ihre Frau argumentiert mit allen positiven Aspekten die ihr in den Sinn kommen dagegen und spricht davon, das moderne Familienbild zu kreieren und dem potenziellen Kind die vierfache Liebe und Aufmerksamkeit schenken zu können.

In einer hippen Kneipe, dem „Vegetariat“, treffen sich die Paare das erste Mal außerhalb der Gruppe um sich besser kennenzulernen. Augenblicklich macht Magnus sich über den Ort lustig und fällt mit seiner besserwisserischen Art unangenehm auf. Die überdrehte Bedienung versucht, ihnen mit einem Denglisch-Mix eine Bestellung aus den Rippen zu leiern, wobei es zu einer Reihe höchst amüsanter Wortspiele kommt und Natalie beginnt das Konzept des Ladens zu kritisieren, woraufhin Magnus unbewusst mit einfällt und die Bedienung rasch das Weite sucht.

Photo: Schmidts Tivoli/Morris Mac Matzen

Die beiden ehemaligen besten Freunde verschwinden gemeinsam auf dem Klo, wo sie seine Leggins – bei Männern übrigens „Meggins, mit M“ genannt, worauf immer wieder beharrt wird – bewundert. Unterdessen nutzen die im Schankraum Verbliebenen die Gelegenheit, über die skurrile Situation zu sinnieren und darüber nachzudenken, ob es die Mühe wert ist, sich gegen seine eigene Überzeugung zu verbiegen. Sie haben Zweifel daran, dass dieses Experiment „Familie zu viert“ tatsächlich funktionieren kann, beschließen es aber ihren Partnern zuliebe zu versuchen.

Die beiden Pärchen freunden sich miteinander an, lernen sich besser kennen und beschließen nach einiger Zeit, es miteinander versuchen zu wollen. Die Freunde laden Kerstin ein, um ihr die freudige Botschaft zu überbringen, worauf sie mit trockenem Humor reagiert, sich aber ehrlich für alle zu freuen scheint und sich dafür interessiert, wer welche Rolle übernehmen möchte. Magnus und Natalie offenbaren, dass sie das leibliche Elternpaar werden wollen, Biene will eine der Vaterfiguren für das Kind sein. Die vier planen zusammenzuziehen und ihre Einkommen zusammenzulegen, um dem gemeinsamen Kind ein gutes Leben bieten zu können. Gynäkologin Kerstin soll die werdende Mutter dann während der Schwangerschaft betreuen.

Photo: Schmidts Tivoli/Morris Mac Matzen

Schon ganz im Familientaumel überlegen die Mütter in spe, was ihr Nachwuchs einmal können oder werden könnte und verlieben sich spontan in das noch nicht einmal gezeugte Kind. Die Textzeile „Ich lieb dich jetzt schon so, obwohl ich dich nicht kenne“ brennt sich sofort beim Hörer ein, ist intensiv und trifft auf wohl jedes einzelne Elternpaar egal in welcher Konstellation zu, „Ich bin dein Fan“ – ist ein Liebeslied für das ungeborene Kind und die Aussage des äußerst gefühlsbetonten Songs, der sich hervorragend an dieser Stelle einfügt. Der Entschluss scheint für alle unumstößlich, bis ein Besuch bei Sabines Schwester, die einige eigene Kinder und eine Menge Stress hat, diesen ins Wanken bringt. Obwohl sie ein mitreißendes Plädoyer für ein Leben mit Kindern hält, wird deutlich, dass sie absolut überfordert ist, was dem jungen Paar zu denken gibt.

Auch bei den Männern läuft nicht alles reibungslos. Als Magnus seinem Vater Cornelius, der schon von Hause aus absolut kein Verständnis für dessen Lebenssituation aufbringen kann und das auch mehr als deutlich macht, die Botschaft überbringt, dass sie ein Kind bekommen möchten, lässt dieser zynische Bemerkungen auf ihn einprasseln. Cornelius beschimpft seinen Sohn als Traumtänzer und Mädchen, den man nicht ernstnehmen kann. Christian gerät ebenfalls ins Kreuzfeuer der derben Sprüche seines Schwiegervaters, der weder seinen Lebens- noch seinen Kleidungsstil akzeptieren möchte und als dieser endlich verschwunden ist, schlägt sein Mann in dieselbe Kerbe und reagiert seinen Ärger über seinen Vater an ihm ab. Trotz allem steht Christian zu seinem Mann und steckt seine eigene Meinung zurück.

Photo: Schmidts Tivoli/Morris Mac Matzen

Am Abend dieses für alle doch sehr unglücklich verlaufenen Tages treffen sich die beiden Paare anlässlich ihrer einjährigen Freundschaft. Natalie und Sabine teilen den Männern ihre Entscheidung mit,  doch kein gemeinsames Kind zu wollen. Magnus wirkt beinahe erleichtert  über diesen Rückzieher, doch für Christian bricht eine Welt zusammen. Trotz dieser Nachricht feiern sie ausgiebig und die Party eskaliert. Im Drogen- und Alkoholrausch ziehen die vier Freunde um die Häuser und durch die Clubs.

Sechs Wochen später haben die beiden Jungs noch immer kein anderes Thema als ihren verlorenen Lebenstraum eine Familie zu gründen. Vor allem Christian hat daran arg zu knabbern und igelt sich mit einer Reihe seltsamer Symptome zu Hause ein. Kerstin stellt das Paar zur Rede, wobei der Maskenbildner in einem Anfall von Theatralik feststellt, „Wir hatten einen Haps vom Glückskuchen und jetzt steht er eingeschlossen hinter Panzerglas im Tresorraum des Schicksals“. Er möchte sich nicht damit abfinden, dass Magnus die Situation einfach so hinnehmen kann. Kerstin und sein Mann versuchen ihn zu beruhigen, während sie auf die Damen warten, um gemeinsam ein Helene Fischer Konzert zu besuchen. Wie sich jedoch im folgenden Gespräch herausstellt, leidet auch Sabine unter den Nachwirkungen der Party vor einigen Wochen und zeigt ganz ähnliche Symptome wie ihr alter Jugendfreund. Mit geschultem Blick bescheinigt Kerstin ihr eine Schwangerschaft, die den Traum für beide Paare plötzlich wieder greifbar macht. Sie freuen sich unbändig über die unverhoffte Nachricht und beschließen, beseelt vom Wunsch alles richtig zu machen und das Glück bei den Eiern zu packen, nun ihre gemeinsame Zukunft zu planen. Jeder bereitet sich auf seine Weise auf die neue Aufgabe vor, so bestellen Magnus und Christian eine lebensechte Babypuppe zum Üben, um die sie sich kümmern wollen, doch das fehlerhaft programmierte Sprachprogramm selbiger stellt sie vor eine unlösbare Aufgabe, sodass das Experiment in einem Desaster endet.

Als der Umzug in eine gemeinsame große Wohnung ansteht, packen alle tatkräftig mit an, um es sich schön zu machen. Sie träumen sich die gemeinsame Zukunft hell und strahlend, doch der erste Ärger im Paradies steht an, als Natalie Normen und Marianne im Park begegnet und diese Zweifel, Neid und Enttäuschung in ihr säen, da es ja eigentlich sie sein sollte, die das Kind bekommt.

Unterdessen ist Sabine bei Kerstin und lässt nach dem Ungeborenen schauen, nach und nach kommen zuerst Christian und dann Magnus zu dem Termin dazu und verlieren ihr Herz, als sie das des Babys schlagen sehen. Für einen Moment scheint die Welt still zu stehen und alle sind sich einig, „Mein Herz bleibt gerade stehen, ich starre auf ein Wunder“.

Photo: Schmidts Tivoli/Morris Mac Matzen

Wieder zu Hause angekommen führen Sabine und Natalie ein ernstes Gespräch über deren Zweifel und den Wunsch Mutter zu werden. Natalie fühlt sich ausgegrenzt und nutzlos in der scheinbar innigen Beziehung zwischen ihrer Frau und dem Erzeuger des Kindes. Natalie zeigt sich traurig über die Entwicklung, die es gegeben hat und darüber, mit ihrem Wunsch zurückstecken zu müssen. Sie befürchtet auch später in Erziehungsfragen nicht akzeptiert zu werden und unterzugehen. Sabine beteuert ihr ihre Liebe und Zuneigung und zeigt Verständnis für die Situation ihrer Frau.

Die vier Elternteile debattieren darüber, ob sie das Geschlecht des Kindes beim nächsten Vorsorgetermin erfahren möchten oder lieber eine Überraschung wünschen. Außer Christian, der wahnsinnig neugierig ist, sind alle dagegen. Die Debatte ist noch gar nicht ganz beendet, da erscheint Magnus‘ Vater unangekündigt zu Besuch und seine Mitbewohner weigern sich strikt den Raum zu verlassen. Der Besuch zerrt an den Nerven des jungen Mannes  und widerwillig stellt er die beiden Frauen vor. Nach einer absolut unpassenden Bemerkung des Älteren verziehen sich die beiden, Christian folgt auf dem Fuß. Magnus erfährt, dass sein Vater einen Herzinfarkt erlitten hat und zukünftig kürzer treten möchte. Aus diesem Grund möchte er ihm die Leitung der Steuerkanzlei überlassen. Auch wenn er ihn für ein egoistisches, abnormales und unseriöses Ding hält, dessen familiäre Situation versteckt gehört, verlangt er Verantwortung. Völlig überrumpelt lässt er Magnus stehen und geht.

Photo: Schmidts Tivoli/Morris Mac Matzen

Christian bekommt diesen Disput mit, befürchtet wieder bei Null anzufangen wie einst vor dem Outing und stellt Magnus in einem Streitgespräch zur Rede. Er fragt, warum dieser immer einknickt bei seinem Vater und sagt, er selbst hängt an jeder Entscheidung, die er trifft, mit dran. Als Ehepartner glaubt er an ihn und versteht nicht, warum der Vater stets einen Keil zwischen sie treiben kann. Verletzt schlägt Magnus daraufhin um sich und hält ihm einen Spiegel vor, was er alles nicht könne und verhält sich ähnlich wie sein Vater, was Christian verletzt, der sich aber nicht mundtot machen lassen möchte. Kurzzeitig zweifeln sie an ihrer Beziehung und der Streit reißt tiefe Wunden in ihr gegenseitiges Vertrauen und ihre Wertschätzung. Sie gehen im Streit auseinander und schweigen sich über Tage an, bis es dazu kommt, dass Magnus die Kanzlei übernehmen soll. Dabei kommt er nicht darum herum eine Rede zu halten. Nach und nach kommen alle Freunde, um ihn zu unterstützen und dem beizuwohnen, doch er wartet sehnsüchtig auf seinen Mann. Als dieser schließlich auftaucht – das erste Mal, dass Christian „vernünftig“ gekleidet und angepasst erscheint – schlägt Magnus über die Stränge. Stolz verkündet er vor versammelter Belegschaft und damit auch seinem Vater, dass er seinen Mann über alles liebt und sie dessen Backkünste gern auf der nächsten Betriebsfeier kennenlernen können. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, präsentiert er sich selbst in einer von Christians heiß geliebten Meggins.

Zurück zu Hause überrascht Christian alle anderen mit einer Babyparty. Er hat in Kerstins Unterlagen das Geschlecht des Kindes in Erfahrung gebracht und kündigt augenzwinkernd an, es auch die anderen wissen zu lassen. Sie kabbeln sich und er bemerkt lakonisch, dass er buntes Konfetti in den Ballon gefüllt habe, da es doch völlig egal sei, welches Geschlecht das Kind haben wird, so lange es gesund und geliebt ist.  Dessen sind sich alle einig. Als der Ballon zerplatzt, springt auch Sabines Fruchtblase und die Familienplanung geht in die Endphase.

Mit einem sehr eingängigen „Bis jetzt sind wir nur vier, ab morgen sind wir WIR“endet das Musical.

Die erste Vorstellung vor zahlendem Publikum ist absolviert und der Erfolg gibt den beiden Autoren Recht. Kaum dass der letzte Ton verklungen ist, steht der komplette Saal geschlossen auf und feiert die Bühnenaktiven mit frenetischem Applaus. Das Bühnenbild ist einfach aber raffiniert, vier drehbare Elemente lassen sich zu diversen Schauplätzen verwandeln und nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch verschiedene Wohnungen, Selbsthilfegruppen, zu einer Firmenfeier in der Kanzlei und sogar nach Bitterfeld.

Die kleine flexible Bühne, die ausdrücklich mit ihrem experimentierfreudigen Konzept wirbt, ist exakt der richtige Ort für ein solch buntes, emotionales, einfallsreiches und doch hochaktuelles neues Stück. Es ist den Machern gelungen, jede Figur so zu (über)zeichnen, dass sie trotz aller Überspitzung sofort lieb gewonnen wird. Mit sehr moderner und direkter, teilweise fast schon frivoler Sprache werden große Worte gelassen ausgesprochen. Als Magnus und Christian wissen Veit Schäfermeier und Janko Danailow genauso zu überzeugen wie es Charlotte Heinke und Stefanie Irmen als Natalie und Sabine tun. Gleich in mehreren Rollen brilliert Kathi Damerow, die sowohl Kerstin als auch Marianne und die Kellnerin des Vegetariats, wo es laut Magnus‘ Aussage „Mit Hass zubereitetes Essen“ – denn wie sonst ließe sich „Sin Carne“ besser übersetzen – gibt. Außerdem steht Robin Brosch als Normen und völlig gegensätzlich Cornelius (Vater von Magnus) auf der Bühne. Besser kann ein Cast kaum zusammenspielen und einem interessierten Publikum einen absolut lohnenswerten Abend bieten. Noch bis zum 15. Juni läuft das abendfüllende Programm im Schmidtchen.

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