Sister Act

…im First Stage Theater, Hamburg

Vorstellung am 6. September 2023

 

(c) Dennis Mundkowski

 

Der diesjährige Abschlussjahrgang der Stage School Hamburg hat sich als Abschlussprojekt den Musical-Welterfolg „Sister Act“ (Musik: Alan Menken – Text: Glenn Slater – Buch: Cheri und Bill Steinkellner) zur Aufgabe gemacht. Bereits in der ersten Spielzeit von Mitte Juni bis Mitte Juli rockten die talentierten Nonnen ihr Kloster an der Spielstätte „First Stage“ und tun dies nun seit dem 16. August erneut bis zum Ende der zweiten Spielzeit am 15. Oktober. Die Musical-Komödie nach dem gleichnamigen Film mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle feierte seine Uraufführung 2006 im Pasadena Playhouse, Kalifornien, seine Europapremiere 2009 im London Palladium am West End und gelangte am 2. Dezember 2010 nach Deutschland an das Operettenhaus in Hamburg.

Nachtclub-Sängerin Deloris van Cartier beobachtet zufällig den Mord, den ihr Geliebter und Gangsterboss Curtis an einem seiner Untergebenen verübt, und gerät so nicht nur mit ihren körperlichen Reizen in das Kreuzfeuer dessen Begierde. Um den Mord vor dem Gesetz zu vertuschen, lässt Curtis nichts unversucht, seiner sich zwischenzeitlich in einem Zeugenschutzprogramm befindlichen Liebsten auf die Schliche zu kommen und setzt dazu seine nicht mit größter Intelligenz gesegneten ‚Jungs‘ Joey und Pablo sowie seinen Neffen TJ ein.

(c) Dennis Mundkowski

Polizist Eddi steckt Deloris ins ortsansässige Kloster. Sowohl die Mutter Oberin als auch Deloris, die dem einfachen und enthaltsamen Leben mal so rein gar nichts abgewinnen kann, sind zunächst wenig begeistert von der Geschichte, beugen sich aber dem guten Zuspruch des obersten Klosterdieners, des Monsignore. Erst die Idee der Mutter Oberin, dass sich Deloris mit ihrem gesanglichen Talent dem doch eher wenig begnadet singenden Nonnenchor anschließen möge, bringt Schwung in die Angelegenheit und später dann auch in das von Geld- und Schäfchensorgen geplagte Kloster.

(c) Dennis Mundkowski

Das großrahmige und gut unterstreichende Bühnenbild (First Stage Theater-Team) mit zu verschiebenden Elementen nutzt die gesamte Bühnenbreite und schafft so eine realistische Darstellung großer Klosterhallen. Es wandelt sich durch Drehelemente in die Polizeiwache, Curtis‘ Absteige oder eine Bar und kann durch die Darstellenden schnell bewegt und verändert werden. Das atmosphärische Lichtdesign (Felix Wienbürger) ergänzt das Bühnenbild vorzüglich und die Kostüme (Sybille Gänsslen-Zeit und Lisa-Jasmin Tomm) sind passend gewählt. Die Band, am heutigen Abend unter der Leitung des Associate Musical Directors Johannes Hierluksch, spielt schwungvoll und gut, allerdings zu Beginn sehr laut und übertönt teilweise die Stimmen der Protagonisten. Dies kann allerdings im Verlauf der Show schnell korrigiert werden.

(c) Dennis Mundkowski

Neben den vielen Studenten des Abschlussjahrganges besteht der Cast der jährlichen Abschlussproduktionen auch immer aus einigen Protagonisten, die bereits auf langjährige Erfahrungen in den unterschiedlichsten Rollen zurückblicken können. Dominique Aref legt ihre Deloris van Cartier schauspielerisch überzeugend an, kann gesanglich aber nicht ganz so überzeugen. Man wünscht sich die tiefen Stellen genauso schön klingend und weiter vorne platziert wie ihre schönen Höhen. Den skrupellosen Charakter des Gangsterbosses Curtis bringt Frank Josef Winkels absolut gekonnt auf den Punkt und Stefan Preuth zeigt eine ebenso großartige schauspielerische und tänzerische Leistung als dessen Untertan Joey. Beide zeigen zudem eine gewohnt großartige gesangliche Leistung. Dejan Brkic gibt seinem Monsignore eine erhabene, aber auch herrlich erfrischende Art und bildet damit einen passenden Gegenpol zu Femke Soetenga als Mutter Oberin, die ihre Figur mit einer schauspielerischen Glanzleistung und ebensolcher Stimmgewalt sowie schönen Nuancen von distanziert bis warmherzig führt.

(c) Dennis Mundkowski

Bei den aus den Reihen der Stage School besetzten Rollen darf natürlich nicht aus den Augen verloren werden, dass es sich hier ausnahmslos um junge, gerade fertig gewordene Studien-Absolventen handelt. Besondere Erwähnung finden müssen hier Peter Lehmann als TJ, dem es hervorragend gelingt, den naiv-dümmlichen Charakter seiner Figur herauszuarbeiten, sowie Ilias Sidi-Yacoub, der den spanischen Charme Pablos großartig rüberzubringen versteht. Leider aber bleibt der Witz ihres mit Joey gemeinsamen Songs „Hey Schwestern“ hinter dessen mitreißenden und komischen Möglichkeiten zurück. Ebenso Gehör sollte man der heute als Schwester Mary Robert agierenden Merle Claus schenken. Mit ihrer gerade in den Höhen brillant geführten und kräftigen Stimme empfiehlt sie sich nicht nur gesanglich bestmöglich, auch schafft sie einen hervorragenden Spagat von der unscheinbaren und Mitleid erregenden jungen Novizin zur selbstbewussten und in ihren Gesangssoli glänzenden Schwester. Dieser Spagat gelingt Beneon Stevenson als dauerschwitzender Polizist Eddi, von allen nur Schwitzefritze gerufen, leider nicht ganz so gut. Sein Wachstum vom naiven, vor seiner eigenen Waffe Angst habenden, kleinen Dorfpolizisten zum starken und selbstbewussten Beschützer von Deloris, wirkt trotz des eigentlich großartig und unterstützend geschriebenen Songs „Tief in mir“ noch ein wenig hölzern. Nichtsdestotrotz hat er schnell alle Sympathien des Publikums auf seiner Seite.

(c) Dennis Mundkowski

Mit den größten und wichtigsten Teil des Stückes macht aber natürlich der Nonnenchor aus, der unter der Leitung von Deloris von einem schlecht singenden Damenwirrwarr zu einem großartigen Gospelchor heranwächst. Trotz aller Spielfreude, die den jungen Talenten anzumerken ist, lässt aber zumindest die besuchte Vorstellung die dem Stück eigentlich eigene, schwungvolle Leichtigkeit und Kurzweiligkeit vermissen. Dennoch ist auch hier schon zu ahnen, dass man von den jetzt fertigen Studenten sicherlich noch einiges hören wird.

Trotz der kleineren Defizite lohnt sich der Besuch von „Sister Act“ im First Stage Theater in Hamburg auf jeden Fall. Zu sehen ist die Produktion noch bis zum 15. Oktober 2023. Karten für noch alle Vorstellungen gibt es an der Abendkasse oder online auf der Website des Theaters unter: www.firststagehamburg.de

 

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Weiterführende Links:

Firststage Hamburg
Stageschool Hamburg
Femke Soetenga
Dominique Aref

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